IoT-Konnektivität ist längst kein rein technisches Detail mehr. Für Unternehmen, die Geräte international ausrollen, wird sie zunehmend zu einer rechtlichen und operativen Herausforderung. Eines der am meisten unterschätzten Risiken dabei ist das sogenannte Permanent Roaming.
Was ist Permanent Roaming?
Wenn ein IoT-Gerät über eine ausländische SIM-Karte mit einem lokalen Netzwerk verbunden ist, spricht man von Roaming. Das ist grundsätzlich kein Problem. Roaming wird erst dann zu „Permanent Roaming“, wenn ein Gerät dies über einen längeren Zeitraum tut, beispielsweise mehr als 90 bis 120 Tage, ohne jemals in das Heimnetzwerk der SIM-Karte zurückzukehren.
Für die meisten IoT-Geräte ist das nahezu immer der Fall. Ein Smart Meter, ein industrieller Sensor oder ein Zahlungsterminal ist fest installiert und bewegt sich nicht. Die SIM-Karte roamt somit dauerhaft, obwohl Roaming-Abkommen zwischen Netzbetreibern ursprünglich für reisende Endnutzer konzipiert wurden.
Vier regulatorische Themen, die zu beachten sind
Die weltweite Regulierung von IoT-Konnektivität konzentriert sich auf vier Bereiche:
- Das Verbot von Permanent Roaming: Eine wachsende Anzahl von Ländern verbietet dies ausdrücklich oder macht es durch flankierende Maßnahmen praktisch unmöglich.
- Die IMEI-Registrierungspflicht, bei der sich ausländische Geräte nach einer bestimmten Zeit bei lokalen Behörden registrieren müssen, teilweise verbunden mit steuerlichen Verpflichtungen.
- eSIM-Provisioning-Regulierungen, die festlegen, wer Profile bereitstellen darf und wie Daten gespeichert werden müssen, getrieben durch Datenschutz, Datensouveränität und nationale Sicherheit.
- Die Regulierung von Roaming-Tarifen.
Dauerhaftes Roaming verboten: Welche Länder haben welche Vorschriften?
Die Regulierung unterscheidet sich stark von Land zu Land. Brasilien, die Türkei, Nigeria, China und Indien verbieten Permanent Roaming oder machen es regulatorisch praktisch unmöglich. Besonders streng ist die Türkei: 2025 wurde vorgeschrieben, dass eSIM-Provisioning ausschließlich über türkische Betreiber erfolgen darf, was zur Blockade zahlreicher internationaler eSIM-Anbieter führte. Saudi-Arabien und Singapur stellen ebenfalls strenge Anforderungen. Die USA und Kanada haben kein gesetzliches Verbot, jedoch setzen Betreiber eigene Einschränkungen durch.
Innerhalb der Europäischen Union ist Permanent Roaming unter der „Roam Like at Home“-Regelung erlaubt, wobei geprüft wird, ob spezifische M2M-Regulierungen erforderlich sind. Australien, Japan, Neuseeland und Südkorea erlauben Roaming unter bestimmten Bedingungen.
Wie bleibt man compliant?
Es gibt vier Lösungsansätze:
- Multi-IMSI-SIM-Karten enthalten mehrere Betreiberidentitäten und ermöglichen dem Gerät, automatisch auf eine „lokale“ IMSI zu wechseln, sodass technisch kein Roaming stattfindet.
- eSIM mit Remote Provisioning über den SGP.32-Standard ermöglicht die drahtlose Aktivierung eines lokalen Betreiberprofils ohne physischen Zugriff auf das Gerät.
- Local Breakout über regionale Netzwerke leitet Datenverkehr lokal statt über das Heimnetzwerk, was Latenz reduziert und Compliance im Bereich Datensouveränität verbessert.
- Lokale Betreiberpartnerschaften in Märkten wie China, Indien und Brasilien. Dies ist der einzige praktikable Ansatz in Regionen, in denen regulatorische Anforderungen lokale Präsenz verlangen.
SGP.32: vielversprechend, aber keine Garantie
SGP.32 gilt als technische Lösung für die Roaming-Problematik. Der 2023 veröffentlichte GSMA-Standard ermöglicht dynamisches Profil-Switching aus der Ferne und ist speziell für IoT-Umgebungen ohne Benutzeroberfläche entwickelt worden. Die ersten großflächigen Implementierungen werden für 2026 und 2027 erwartet.
Dennoch ist SGP.32 ein technischer Standard, keine rechtliche Garantie. Ob ein lokal bereitgestelltes Profil tatsächlich konform ist, hängt davon ab, welcher Betreiber das Profil bereitstellt und ob der SM-DP+-Server die lokalen Anforderungen erfüllt. Technologie und Compliance müssen gemeinsam betrachtet werden.
Fazit
Permanent Roaming ist kein Randthema: Es betrifft jedes Unternehmen mit IoT-Geräten in mehreren Ländern. Mit zunehmender regulatorischer Durchsetzung und strengeren Vorgaben der Netzbetreiber wird Compliance zur Voraussetzung für operative Kontinuität.
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